Tasawwuf und Ibn Arabi (Teil 2)
Tasawwuf und Ibn Arabi (Teil 2)
Author :
Dr. Mohammad Razavi Rad
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Konformität der Mystik von Ibn Arabi mit dem Schiitentum:
Ich gebe Ihnen, liebe Leser, recht, wenn Sie über obigen Titel staunen, [50] da viele Autoren nicht diese Verbindung und Beeinflussung erwähnen oder dem nachgegangen sind oder sie sogar von Grund aus verleugnet haben.[51] Aber mit einer fachmännischen Untersuchung wird nicht nur die Verbindung zwischen beiden, sondern sogar die untrennbare Verflechtung zwischen dem Islam und der Mystik einerseits und zwischen dem Schiitentum, Sufismus und der Mystik andererseits herauskristallisiert. Im geschichtlichen Kontext kann man keine solche Verflechtung finden,[52] wenn man aber die grundlegenden Prinzipien des Schiitentums untersucht, erkennt man, dass der schiitischer Sufismus aus den Lehren des Schiitentums resultiert. Eine substanzielle Verbindung zwischen dem Schiitentum und der Mystik ist dann leicht erkennbar. Wenn die Mystik als Welt der okkultischen Phänomene gilt, und wenn der Schiitentum -wie Herr Karbon [53] Kenner des Schiitentums sagte, als eine Geheimlehre zu verstehen ist. dann können wir die besagte Verbindung sehr leicht feststellen.
Neben dem Glauben der Schia an die Quelle der Geheimnisse, nämlich an den Prophet und die Leute seines Hauses (Fatima und die 12 Imame), läßt die Gegenüberstellung keinen Zweifel daran, dass eine Verbindung zwischen dem Schiitentum und dem Sufismus besteht. [54]
Trotz dieser deutlichen Entwicklung drängt sich die Frage auf, warum wurde diese deutliche Relation einfach geleugnet? Hier sind einige ausschlaggebende Gründe dafür:
Zum einen eine negative Auseinandersetzung seitens einiger schiitischer Geistlicher dem Sufismus gegenüber – was teilweise immer noch üblich ist. [55] Eine andere Ursache dafür waren die Formen, die einige sufistische Gruppierungen angenommen haben und die sowohl bei schiitischen Geistlichen als auch bei gewöhnlichen Leuten auf Abneigung gestoßen sind. Eine Zugehörigkeit zu ihnen wurde von schiitischen Gelehrten abgelehnt. Diese Distanz wurde auch als Diskrepanz an sich zwischen dem Schiitentum und Sufismus ausgelegt.
Die geschichtlichen Ereignisse waren so ungünstig [56], dass keine akzeptable Verbindung zwischen dem Sufismus und dem Schiitentum entstehen konnte.
Diese unabsichtliche Distanz hat viele große schiitischen Gelehrten [57], die Ibn Arabis Gedankten liebten, veranlasst, die Geschichte in den richtigen Blickwinkel zu rücken und das künstliche Vakuum zwischen dem Schiitentum und dem Sufismus zu beheben. [58]
Es wurden grundlegende Bestrebungen in diese Richtung unternommen. [59] Einige von ihnen waren nicht nur für die Schiitenwelt von Nutzen, sondern sie waren für die gesamte Islamwelt von großer Relevanz und unermesslichem Vorteil. [60]
Nach der Auseinandersetzung der schiitischen Gelehrten mit den verschiedenen Aspekten der Gedanken Ibn Arabis, im Hinblick auf die vorhandenen Gemeinsamkeiten zwischen seinen Gedanken und dem Kern des Schiitentums, wurden inoffizielle aber effektive Versuche unternommen, seine Lehren und Gedanken zu schiitisieren. [61] Freilich gibt es keinen Widerspruch zwischen wahrem Sufismus und dem Schiitentum.
Die scharfen Vorwürfe, die von schiitischen Instanzen über einige Sufis gemacht wurden, beziehen sich auf bestimmte Angelegenheiten, die im klaren Widerspruch zum Verstand und dem Inhalt des Koran waren; sie richteten sich nicht gegen den Sufismus als Ganzes. [62]
Der Schlüssel und das Geheimnis der untrennbaren Verbindung zwischen dem Sufismus und Schiitentum ist der strahlende Charakter von Imam Ali, der einerseits nach dem Propheten der Stützpfeiler des Schiitentums ist, den andererseits alle sufistischen Gruppen rühmen, dass er ihr Führer und Vorbild sei. Der Höhepunkt der Verflechtung des Sufismus mit dem Schiitentum spiegelt sich derartig in der Existenz von Imam Ali wieder, dass beide ohne ihn weder definierbar noch gültig sind. Es würde vielleicht genügen, wenn man einen Blick auf die Geschichte des geistigen Standortes des Schiitentums in der Welt, nämlich auf den Iran, wirft, und ebenso auf die Welt der Literatur und Mystik der persischen Sprache wirft [63]. Man kann gewiss, sogar mit einer oberflächigen Untersuchung der Literatur und Mystik, die Einflüsse von den Großen des Sufismus, besonders von Ibn Arabi, überall in ihren Werken finden. Persönlichkeiten wie Djalaladin Mulavi, Sach, Hafiz, Alla Adin Simnani, Abdul Rahman Gdami, [64] Sanai Gaznavi, Atar Nischapuri, Scheich Mamud Schabestani, Ohadin Kermani, Safai Isfahani [65] und viele andere sind nicht nur von Ibn Arabi beeinflusst, sondern sie haben seine Ideen verbreitet [66]. Diese Beeinflussung in den verschiedenen Gruppierungen der iranischen Sufis hat unverwechselbare Formen angenommen. [67]
Zusätzlich zeugt die Existenz vieler schiitischen Sufis in unserer Zeit von praktischer Übereinstimmung zwischen dem Schiitentum und dem Sufismus. [68] Es versteht sich von alleine, dass ich mit diesen Zeugnissen und Argumenten nicht die Gleichsetzung vom Sufismus mit dem Schiitentum anstrebe, denn trotz gewisser Parallelen, bestehen sie unabhängig voneinander. Ich weise nur auf folgende Punkte hin:
- Das Schiitentum und der Sufismus haben gemeinsame Quellen.
- Im historischen Voranschreiten haben sie sich gegenseitig beeinflusst.
- Es gibt keinen substanziellen und wesensbezogenen Unterschied zwischen beiden.
- Sie haben eine sehr ähnliche Methodologie. [69]
- Im spirituellen und mystischen Sinne des Islam erreichen sie die höchste Übereinstimmung.
- Sie sind in gleichen Überzeugungen verwurzelt.
- Die historischen Anlässe können nicht als Kriterium für eine Verurteilung angenommen werden.
- Das Schiitentum und der wahre Sufismus haben gleiche Zielsetzungen: Die Erziehung des Menschen zur Vollkommenheit mit Hilfe der himmlichen Lehren.






